Christian Huber von vandaglas Berlin (vormals Döring Glas) im Interview

„Durch gebogenes Glas werden Innenräume effektvoll aufgewertet“

Gebogenes Glas setzt als architektonisches Element besondere Akzente im Innenbereich. Worauf es beim Einsatz von gebogenen Gläsern ankommt, für welche Bereiche es besonders geeignet ist, welche Glasqualitäten es gibt und warum runde Vitrinen eine besondere Ausstrahlung haben, erläutert Christian Huber, zuständig für Beratung, Vertrieb und Marketing bei vandaglas am Standort Berlin im Interview mit der Redaktion.

Ausstellungsraum mit weißen Säulen im linken Bereich
Die runden Vitrinen im Museum Judengasse in Frankfurt/M. unterstützen elegant die Raumwirkung.
Norbert Miguletz © Jüdisches Museum Frankfurt

Redaktion glasklar: Neben Anwendungen in Fassaden ist der Ladenbau ein attraktives Geschäftsfeld für gebogenes Glas. Was macht gebogenes Glas für den Ladenbau so interessant?

Christian Huber: Mit unseren gebogenen Gläser gehen wir in diesem Geschäftsfeld auf die besonderen Wünsche von Inneneinrichtern, Raumdesignern und Innenarchitekten ein und unterstützen sie bei der Gestaltung und Umsetzung auf vielerlei Arten. Gebogenes Glas bietet viele Einsatzmöglichkeiten und so können wir im Bereich des Ladenbaus individuelle Konzepte und Elemente nach Kundenwunsch realisieren. Durch das gebogene Glas werden somit z. B. Innenräume effektvoll ergänzt und aufgewertet.

Für den Kunden bietet gebogenes Glas u.a. eine optimale, individuelle und auch ansprechende Warenpräsentation. Und natürlich sind auch wir am Ende stolz und begeistert, wenn das Ergebnis allen Beteiligten gefällt und die Vorstellungen der Kunden in die Realität umgesetzt wurden. Bei der Herstellung von gebogenen Gläsern nach Maß sind sowohl Erfahrung und Sorgfalt als auch das Eingehen auf die individuellen Vorstellungen der Kunden sehr wichtig und beides können wir. Damit stellt dieses auch in Zukunft ein attraktives Geschäftsfeld für uns dar.

Redaktion glasklar: Welche Einsatzmöglichkeiten bietet gebogenes Glas im gewerblichen Innenausbau?

Christian Huber: Einsatzmöglichkeiten für das gebogene Glas im Innenausbau sind neben den klassischen Ladenbauprojekten auch individuelle Thekenanlagen, verklebte Glasaufsätze, exklusive Schauvitrinen mit entspiegeltem Glas, gebogenes Glas für Möbelstücke oder auch Raumtrennwandsysteme mit gebogenem Glas.

Redaktion glasklar: Wo kann gebogenes Glas im Innenbereich sonst noch wirkungsvoll eingesetzt werden?

Christian Huber: Z.B. in Ausstellungen und Museen als Vitrinen, in Ladeneinrichtungen oder Showrooms. Auch den Innenbereich vom Bad über Wohn- und Arbeitsräume bis hin zur Küche wertet gebogenes Glas auf. Effektvolle Akzente können auch mit satiniertem oder farbigem, gebogenem Glas für indirekte Beleuchtungen, Tresenverkleidungen und bei Möbelstücken erzielt werden.

Redaktion glasklar: Welche Vorzüge hat gebogenes Glas gegenüber planem Glas?

Christian Huber: In meinen Augen vermittelt gebogenes Glas eine hohe ästhetische Qualität und natürlich Exklusivität. Das liegt schon allein daran, dass gebogenes Glas kein Massenprodukt ist, sondern ein im hohen Maße gestalterisches Design-Element darstellt. So wirken Vitrinen mit gebogenem Glas oft schon als Objekt für sich selbst. Darüber hinaus kann z.B. die Entscheidung für die Form einer Ausstellungsvitrine in der Raumplanung und -wirkung begründet liegen. Während eckige Vitrinen sich in Dimension und Proportion immer ins Verhältnis zum Gesamtraum setzten, funktionieren runde Körper eher wie Inseln und sind damit auch für kleinere Räume besser geeignet.

Redaktion glasklar: Gibt es Unterschiede bei den Glasqualitäten, und wenn ja, welche Gläser eignen sich für welche Einsatzbereiche?

Christian Huber: Ja, es gibt unterschiedliche Glasqualitäten von den Glashütten. Je nach Anforderung werden die Gläser von uns ausgesucht. Das kann dann normales Floatglas, Weiß-, Museums- oder Sicherheitsglas sein. Die Glasqualitäten unterscheiden sich im Wesentlichen in ihrer Farbwiedergabe, Brillanz, Reflektion, Spiegelung, Bruchsicherheit und UV-Beständigkeit. So gibt es neben dem normalen Floatglas das extraweiße Glas, (eisenoxidarmes Glas – ohne den typischen Grünstich). Dieses Glas sorgt für eine farbneutrale Durchsicht auf die Exponate und garantiert auch eine originalgetreue Darstellung der Farben.

Darüber hinaus gibt es auch entspiegeltes Glas, das über sehr gute Antireflex-Eigenschaften verfügt und sich damit hervorragend für Vitrinen in Museen geeignet. Es ist ein reflexionsarmes, farbneutrales und nahezu unsichtbares Glas.

Redaktion glasklar: Welche Rolle spielt die Sicherheit, also wann und wo ist Sicherheitsglas gefragt?

Christian Huber: Bei gebogenen Glastrennwänden wird Sicherheitsglas, z.B. gebogenes Verbundsicherheitsglas, eingesetzt. Sicherheitsglas kommt also überall dort zum Einsatz, wo Sicherheit und Gesundheit gefordert bzw. erwünscht sind, wie z.B. Büroräume, Geschäftsräume, Praxen oder Wohnbereiche.

Redaktion glasklar: Können Sie uns einige Beispiele von Lösungen mit gebogenem Glas im Innenbereich nennen, die Sie realisiert haben?

Christian Huber: Ein eindrucksvolles Beispiel für den Einsatz gebogenen Glases ist sicher das Museum Judengasse in Frankfurt, für das wir das Glas für die runden Vitrinen gefertigt haben. Für den Bucherer TimeMachine Flagshipstore in New York haben wir prominent platzierte geschwungene Vitrinen mit gebogenem Glas gefertigt, die das extravagante und luxuriöse Ambiente wirkungsvoll unterstützen. Ein spannendes Projekt ist auch das Heute Journal-Studio des ZDF, für dessen Umgestaltung 2021 wir die als Projektionsfläche genutzten Gläser hinter dem ModeratorInnen-Tisch hergestellt haben. Aktuell in der Fertigstellung befindet sich der neue Konzertsaal der Kronberg Academy (geplante Eröffnung: Ende September, Redaktion glasklar) für das wir gebogenes Verbundsicherheitsglas in Übergrößen hergestellt haben, das als Fensterband den Zuschauerbereich im Saal und die Raumhalle darüber voneinander trennt. So kann man von außen durch die Fenster schauen und den Musikern bei der Arbeit zusehen. Und dann ist da noch der Hauptsitz des niederländischen Netzbetreibers TenneT für den wir 400 m2 gebogene Schallschutzgläser in unterschiedlichen Geometrien und Formaten gefertigt haben. Bei dem Gebäude wurde sowohl in der Fassade als auch im Innenausbau konsequent auf Nachhaltigkeit gesetzt,

Redaktion glasklar: Und zur Einordnung: Beschreiben Sie uns bitte kurz die wesentlichen Schritte beim Biegen von Glas.

Christian Huber: Die wesentlichen Schritte beim Biegen von Glas – hier am Beispiel des Schwerkraftbiegeverfahrens – sind wie folgt

  • Zuschnitt der planebenen Glasscheibe(n) im gewünschten Maß
  • Kantenbearbeitung und Waschen der planebenen Scheibe(n)
  • Die planen Gläser werden dann auf eine Biegeform gelegt (diese wird vorab in der gewünschten Glasgeometrie angefertigt und mit feuerfesten Materialien belegt, um einen Kontakt von Glas und Metallbiegeform zu vermeiden.

Nachdem die planebene Glasscheibe auf die Form gelegt wurde, wird der Biegeofen langsam auf ca. 550 bis 620 °C erwärmt. Durch die Schwerkraft und das Eigengewicht der Scheibe fällt die Scheibe dann in die konkave Biegeform hinein, oder – bei Verwendung einer konvexen Biegeform – legt sich die Scheibe über diese Form entsprechend der Kontur an. Nach dem Biegevorgang wird das Glas auf der Form langsam wieder abgekühlt und im Anschluss von der Form heruntergenommen und weiterverarbeitet.

Redaktion glasklar: Herzlichen Dank für das Gespräch.

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