Timmerhuis Rotterdam

Glaskisten und gebogene Gläser

Das Timmerhuis in Rotterdam ist ein aufsehenerregender Gebäudekomplex aus wie gestapelt wirkenden Glaskisten. Im Erdgeschoss, in der Fassade des dort befindlichen Museums, bilden gebogene Gläser einen starken Kontrast zu den planen Verglasungen der Glaskuben.

Fassade des Timmerhuis’ in Rotterdam mit gebogenem Glas
Markant und imposant: die gläserne Rasterfassade des Timmerhuis
© Ossip van Duivenbode

Alt und neu prallen hier nahezu ungebremst aufeinander: Auf der einen Seite das denkmalgeschützte Stadstimmerhuis, das alte Gebäude des Stadtplanungsamtes und direkt daran angrenzend und es überragend, das Timmerhuis, ein Gebäudekomplex aus wie gestapelt wirkenden Glaskisten. Mitten in der Rotterdamer Innenstadt und in der Nähe der ebenfalls spektakulären Markthalle ist mit dem Timmerhuis, nach einem Entwurf des Rotterdamer Architekturbüros OMA, ein weiterer aufsehenerregender Bau entstanden. Mit einer Gesamtfläche von 48.400 Quadratmetern füllt das Timmerhuis das innerstädtische Grundstück hinter dem Stadstimmerhuis fast vollständig aus. In dem Gebäude sind die Räume der Stadtverwaltung und Wohnungen sowie ein Café und das Museum für Stadtgeschichte untergebracht. Ihre Faszination bezieht die Fassade des Gebäudes neben der extrovertierten Anordnung von Glaskuben auch aus dem Kontrast von planen und gebogenen Gläsern, die im Erdgeschoss beispielsweise die Räume des Stadtmuseums kenntlich machen. Im Norden stapeln sich die Glaskisten zu einem 14-geschossigen Turm, im Süden zu einem 11-geschossigen. In den untersten fünf Etagen sind die Büroräume der Behörde untergebracht. Darüber verteilen sich auf 12.000 Quadratmetern 84 Wohnungen.

Vorhangfassade mit Dreifach-Isolierverglasung

Charakterisierend für die auch als Pixelwolke bezeichnete Gebäudestruktur ist die gläserne Rasterfassade, die als Vorhangfassade mit Dreifach-Isolierverglasungen gefertigt ist. Insgesamt wurden 14.000 Quadratmeter Glas in dem Gebäude verbaut. Die planen Gläser produzierte der SAINT-GOBAIN Glassolutions Standort Radeburg. Das übliche Glasformat beträgt 1.800 × 3.600 mm, die Verglasungen der Öffnungselemente sind lediglich 900 mm breit. Auf Position zwei und fünf wurden Sonnenschutz-bzw. Wärmeschutzbeschichtungen aufgebracht. Außenseitig auf Position eins sind die Gläser zusätzlich mit einem keramischen Siebdruck versehen. 1.200 Quadratmeter gebogene Verglasungen für den unteren Fassadenbereich lieferte das Saint-Gobain Glassolutions Objekt-Center Döring Berlin. Die als Zweifach-Isolierverglasung CLIMAPLUS gefertigten Gläser sind mit einem Radius von 1.000 mm und einem Biegewinkel von 72 bis 163 Grad gebogen, mit Abstandhaltern konfektioniert und einzeln in Aluminiumprofile eingefasst, was dem ansonsten quadratisch angeordneten Bau eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Da innen keine Brüstungsriegel oder Holme gewünscht waren, mussten die Verglasungen außerdem absturzsichernd ausgeführt sein.

Ursprünglich sollten die Glaswürfel wie eine schwebende Wolke konstruiert werden, getragen von wellenförmig gebogenem Glas. „Das hätten wir hinbekommen“, sagt Carsten Kunert, Vertriebsleiter bei Döring. „Wir hatten bereits entsprechende Versuche durchgeführt. Aber leider ist die Finanzierung für diesen Entwurf nicht zustande gekommen.“

Gesamtkunstwerk Timmerhuis

Ob Pixelwolke, Kistenstapel oder kubisches Gesamtkunstwerk, das Timmerhuis trumpft mit seiner außerordentlichen Gestaltung in der Rotterdamer Innenstadt auf. Und die Gläser, sowohl die planen als auch die gebogenen, überzeugen dabei sowohl unter ästhetischen als auch unter konstruktiven und Komfort-Aspekten.