Neues Architekturverständnis – für klimagerechtes Bauen

Holzhybrid-Bürogebäude „The Cradle“ in Düsseldorf

Im Düsseldorfer Medienhafen realisieren HPP Architekten gemeinsam mit der INTERBODEN Gruppe das erste Holzhybrid-Bürogebäude der Stadt. „The Cradle“ – in vielerlei Hinsicht ein zirkuläres Pilotprojekt – setzt Impulse für die Zukunft des Bauens.

Im Düsseldorfer Medienhafen realisieren HPP Architekten gemeinsam mit der INTERBODEN Gruppe „The Cradle“, das erste Holzhybrid-Bürogebäude der Stadt.
Im Düsseldorfer Medienhafen realisieren HPP Architekten gemeinsam mit der INTERBODEN Gruppe „The Cradle“, das erste Holzhybrid-Bürogebäude der Stadt.
© „Quelle: INTERBODEN Gruppe/HPP Architekten; Visualisierung: bloomimages“

Das Entwicklungsgebiet auf dem ehemaligen Hafengelände Düsseldorfs, das bereits eine beachtliche Architekturvielfalt aufweist, wird bald um ein weiteres Highlight reicher sein. Mit den Bauarbeiten für das Bürogebäude „The Cradle“ wurde im Frühjahr 2020 begonnen, die Fertigstellung ist für 2023 geplant. Neben seiner markanten Architektur überzeugt das Projekt auch durch ein besonders gutes Nachhaltigkeitskonzept und Innovationen in Sachen Cradle-to-Cradle®. Dabei wird nicht nur auf den Einsatz kreislauffähiger Materialien gesetzt, sondern auch auf einen ganzheitlich zirkulären Ansatz. Dank der integralen Zusammenarbeit zwischen Architekten, Bauingenieuren und Fachplanern lassen sich bewährte Lösungen infrage stellen und neue Wege finden. Indem sämtliche Prozesse als Kreisläufe gedacht werden, entsteht ein Mehrwert für ökonomische, ökologische und soziale Aspekte – entlang der gesamten Wertschöpfungskette und des gesamten Lebenszyklus.

„Beim Projekt „The Cradle“ haben sich Bauherr, Architekt und weitere Planungsbeteiligte von Beginn an gemeinsam auf den Weg gemacht, um das visionäre Cradle-to-Cradle®-Prinzip ganzheitlich zu denken und in die Realität umzusetzen,“ erläutern die Düsseldorfer HPP Architekten. Sie haben das Gebäude als Holzhybridbau in Elementbauweise konzipiert. Insgesamt werden 2.150 Kubikmeter Holz aus nachhaltiger europäischer, größtenteils deutscher Forstwirtschaft verbaut. Konstruktiv eignet sich Holz optimal als C2C-Baustoff („stecken & schrauben statt kleben“).

Integrales Holztragwerk mit mehreren Funktionen

Die prägnante rautenförmige Struktur der Gebäudehülle verbindet Fassade und Tragwerk und ist aus den Gegebenheiten des Ortes heraus entwickelt. Parametrisch 3D entworfen, übernimmt das außen liegende Tragwerk durch seine unterschiedliche Dimensionierung in der Tiefe – je nach Himmelsrichtung – zusätzlich die Verschattungsfunktion. Eine Prallscheibe vor jedem zweiten Fassadenfeld dient als konstruktiver Holz- und Schallschutz vor den zu öffnenden Fenstern und ermöglicht einen natürlichen Luftwechsel. Das Konzept für das integrale Holztragwerk entstand in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit den Tragwerksplanern Knippers Helbig und den Energieplanern von Transsolar.

Im Sinne des Cradle-to-Cradle®-Gedankens versteht sich das Gebäude als Materiallager. Alle eingesetzten Baustoffe werden hinsichtlich ihrer Materialgesundheit, Sortenreinheit und Trennbarkeit („Design für Demontage“) geprüft und ausgewählt, so dass sie nach Gebrauch wiederverwendet („Re-use“) oder in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden können. Um während der Planung und Bauausführung die hohe Zirkularität des Gebäudes sicherzustellen, unterstützt die EPEA GMBH – Part of Drees & Sommer als Circular Engineer bei der ganzheitlichen Umsetzung. Tatsächlich kann davon ausgegangen werden, dass 97,7 Prozent der Materialien von The Cradle in den Materialkreislauf zurückgeführt werden können.

Digitaler Gebäudezwilling bildet Lebenszyklus ab

Alle verbauten Materialien werden über ein 3D-BIM-Modell in einem Building Material Passport dokumentiert. Mit einem digitalen Gebäudezwilling lässt sich der gesamte Lebenszyklus abbilden – von der Entstehung über die Bewirtschaftung bis hin zum Abriss. So ermöglicht die zirkuläre Bauweise eine gänzlich neue Ebene der Wirtschaftlichkeit. Nach Fertigstellung wird The Cradle als erstes Pilotprojekt in Deutschland auf der Madaster-Plattform registriert – einem globalen Online-Kataster für Materialien und Bauprodukte. So wird es möglich, C2C zu monetarisieren, indem Material- und Rohstoff- beziehungsweise Immobilienwerte digital miteinander verknüpft werden. Dank der Anbindung von Madaster an die Rohstoffbörse können Gebäude als werthaltige Rohstoffdepots abgebildet werden.

Objektdaten

  • Objekt: The Cradle
  • Standort: Speditionsstraße 2, Düsseldorf-Medienhafen, Baufeld MI3
  • Bauherr: Interboden Innovative Gewerbewelten GmbH & Ko. KG, Ratingen
  • Architektur: HPP Architekten GmbH, Düsseldorf
  • Nutzung: Büros mit Gastronomiefläche und Mobility Hub im Erdgeschoss
  • Glasherstellung: Saint-Gobain Building Glass Europe, Aachen
  • Glas: PLANITHERM XN, COOL-LITE SKN 154, COOL-LITE SKN 176
  • Auszeichnungen: MIPIM/The Architectural Review Future Project Award 2018, Kategorie: Office; Iconic Award, Kategorie: Innovative Architecture; Sonderpreis BIM Heinze Architekten Award 2020
  • Fertigstellung: 2023

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