Dresdner Keil

Moderne Multifunktionsgläser im Militärhistorischen Museum

Seit der Eröffnung im Herbst 2011 erfreut sich das architektonische Highlight Dresdens großen Zuspruchs. Auffälligstes Merkmal des nach einem Entwurf des Architekten Daniel Libeskind umgebauten und neu gestalteten Militärhistorischen Museums der Bundeswehr (MHM) ist die gläserne Spitze, die den Altbau zerteilt.


© Saint-Gobain Glass/Fotograf: Christoph Seelbach

Es sind zum einen sicher die heikel-populären Themen Krieg und Militär, die die Menschen seit Jahren in die Ausstellung locken – zum anderen ist es auch die spektakuläre Architektur Daniel Libeskinds, dessen keilförmiger, asymmetrischer Neubau den massiven, klassisch gegliederten Altbau des Ensembles durchdringt. Eine transparente Fassade aus Metalllamellen überlagert dabei den historischen Baukörper. Der sogenannte Keil stellt einen Einschnitt, eine Störung in das Gebäude dar und verändert nicht nur die äußere Gestalt, sondern auch das innere Raumgefüge grundlegend. Seine Räume folgen ihrer Funktion und stehen in klarem Kontrast zu dem starren, horizontal ausgerichteten Säulenraster des Altbaus. Immer wieder durchbricht der Neubau den Altbau und eröffnet dem Besucher durch seine gläserne, transparente Struktur auf allen Ebenen überraschende, räumliche Verschränkungen und Ausblicke.

Aus der Spitze des Keils, dreißig Meter hoch und damit acht Meter mehr als die säulenverzierte Triumphbogenfront des Mittelflügels, haben die Besucher*innen einen spektakulären Blick auf Dresden. Auch hier liegt Symbolik im Entwurf. Die Spitze des Keils verweist auf die Stelle, an der in der Nacht vom 13. Februar 1945 die ersten Bomben der Alliierten Luftangriffe einschlugen. Die Besucher*innen werden auf die schwierige Geschichte der Stadt verwiesen und sehen gleichzeitig mit neuer Perspektive auf ein sich stetig entwickelndes Dresden.

Einbau verschiedene Multifunktionsgläser

Für den Aufbau der gläsernen Spitze fertigte der damalige CSP Thiele Glas Werk GmbH Wermsdorf rund 250 m2 Isolier-, Sonnenschutz- und Sicherheitsgläser, zum Großteil als Modellscheiben. Jede Scheibe hat unterschiedliche Maße, die größte weist Abmessungen von 4.445 x 1.134 mm auf. Für die Fenster im bestehenden Altbau produzierte die damalige Saint-Gobain Glassolutions Objekt-Center Standort Radeburg GmbH, heute Teil der AEQUITA Gruppe, rund 790 m2 extra klares Glas COOL-LITE SKN 074 mit Alarmspinne und Sonnenschutzbeschichtung. Die Brandschutzanforderungen an einen Teil der historischen Fenster wurden mit Brandschutzisolierglas Contraflam EI 30 von Vetrotech Saint-Gobain (heute CSP) erfüllt. Für dieses wurden die gleichen Sonnenschutzschichten und Basisgläser verwendet wie für die restlichen Gläser, so dass es keine optischen Unterschiede gibt.

Mit insgesamt 20.000 m² Ausstellungsfläche ist das MHM eines der größten militärhistorischen Museen Europas. Die Ausstellung agiert dabei äußerst geschickt mit unterschiedlichen Arten von Räumen. Die Farbgebung und die Gestaltung der Vitrinen unterscheiden sich in den historischen Hallen grundlegend von denen im Neubau – dennoch zieht sich eine ähnliche Atmosphäre durch die gesamte Ausstellung. Inhaltlich gelingt der Spagat, das brisante Thema Krieg abzubilden und nirgendwo zu verniedlichen oder allzu sehr zu abstrahieren – und sich doch gleichzeitig von der Symbolik der Architektur abzusetzen.

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